
#3
Kat Eryn Rubik
Furye
Ein tragischer Unfall. So nennt es die Presse, als ein Cabrio samt Insassen an den steilen Klippen der Küste in die Tiefe stürzt. ›Natürlich war das nicht die Wahrheit‹, schreibt die namenlose Erzählerin, die als Einzige weiß, was wirklich geschehen ist. Sie ist eine stilsichere Musikmanagerin, eine erfolgreiche Selfmadefrau. Die Realität hinter dieser Kulisse jedoch ist trist: Ihr geliebter Vater ist tot, außer ihrer Mutter hat sie keine Familie. Sie glaubt seit geraumer Zeit, nichts mehr fühlen zu können.
Ein Anruf lässt dieses, wenn schon nicht glückliche, so wenigstens stabil geglaubte Leben in sich zusammenfallen. Über Nacht setzt sie sich ins Auto und fährt zurück in die trügerisch schöne Stadt am Meer, die sie vor 20 Jahren hinter sich gelassen hat; dorthin, wo eine längst vergessen geglaubte Erinnerung begraben liegt; dorthin, wo sie einst Alec, eine der drei Furien, war. Damals war sie siebzehn Jahre alt. Zerrissen und getrieben von dem, was längst vergangen ist, und dem, was nie mehr sein kann, taumelt sie jetzt, 20 Jahre später, im wachtrunkenen Delirium zwischen Vergebung und Vergeltung durch das, was von ihrem Leben übrig ist.
Kat Eryn Rubik ist die Tochter eines Theaterregisseurs und einer Balletttänzerin. Anfang der 1990er Jahre kam sie mit ihren Eltern als jüdische Kontingentflüchtlinge nach Deutschland. Ein Jahr lang lebte sie in Sachsen-Anhalt in einer Aussiedlerunterkunft, ehe die Familie nach Leipzig zog. Sie studierte Jazzgesang und absolvierte ein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam. 2015 erschien ihr Debütroman „Superposition“, der mit dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. „Furye“ ist ihr drittes Buch.

Der Wein
Die rückblickende Geschichte vom „Sommer der Furien“ erzählt, wie eine individuelle Gegenwart tief in ihrer Vergangenheit wurzelt. Der Erzählung legt diese Wurzeln mehr und mehr offen. Das Gleichnis dieses, in dunkler Tiefe verankerten, Lebenselixiere aufsaugenden Wurzelgeflechts hat uns den vorgestellten Wein erwählen lassen.
